Der urbane Mann agiert irrational; er handelt nach der Maxime "he always wants what he can't have".
Die Stadt mit all ihren Reizen und Verlockungen fördert eine urbane Grundhaltung Bedürfnisse frei von Ort und Zeit zu stillen. Diese Loslösung von temporären und lokalen Konstanten ist bedingt durch die urbane Dichte, ihre Diversität – die Stadt als Schmelztiegel der Kulturen, vor allem aber durch den sehr hohen Grad an Mobilität im urbanen Kontext.
Bewegung als Grundprinzip menschlichen Handelns, als Motor der menschlichen Zivilisation.
In seiner Geschichte hat der Mensch über die Jahrtausende immer weiter an Fahrt aufgenommen; aus Feldwegen und Straßen sind asphaltierte, mehrspurige Autobahnen geworden, Strecken der Dampfeisenbahn sind heute Teile eines trans-europäischen Hochgeschwindigkeitsnetzes mit nicht selten Höchstgeschwindigkeiten von über 300 km/h. Taktgeber der großen Agglomerationen ist heute der Öffentliche Nahverkehr: Fahrpläne mit einer Genauigkeit auf eine Sechstelminute und Zugfolgen im Minutenabstand sind das entscheidende Momentum im Kreislauf Stadt.
Metropolen schlafen nicht – accessibility 24/7 – Städte sind mobil
Dieses hohe Maß an Mobilität sorgt für ein wichtiges – wenn nicht das wichtigste Phänomen im urbanen Kontext: Der Bewegungsradius nimmt nicht proportional mit dem grad an Mobilität zu, nein, je mehr Menschen im dichten urbanen Raum mobil sind, desto langsamer kommen sie voran – es entstehen Staus und Behinderungen.
I want that! – Although it's too far away and I can't reach it at this time of the day
Mehr Mobilität sorgt für weniger Mobilität, mehr Fortbewegungsmöglichkeiten für langsameres Vorankommen. Ein Paradoxon? Keinesfalls. Ein Grundprinzip des Urbanen? Durchaus. Aber gerade hier liegt ein Denkfehler des urbanen Mannes: Er ist es gewohnt alles zu jeder Zeit und überall zu bekommen, die Stadt reizt ihn und er will diesen Reizen nachkommen, er ist ihnen erlegen. Das Problem ist nur, so mobil er auch sein mag, es ist ihm nicht möglich jede Dienstleistung, jedes Produkt zu jedem denkbaren Zeitpunkt und an jedem denkbaren Ort zu erlangen – he always want's what he can't have.
No browns after six – Ein Plädoyer gegen Un-Urbanes
Der Einfluss der Kirche auf unser tägliches Leben ist noch heute, selbst in, nach ihrer Verfassung, säkularisierten Staaten, gewaltig. Die Institution Kirche wacht aber über vieles heute nicht mehr Zeitgemäßes, sie schützt Un-Urbanes: Der Sonntag ist heilig, Geschäfte sollen geschlossen bleiben, die Arbeit soll ruhen; Feiertage sind staatlich verordnete Valiumdosen, um Stadt als lebendigem, unaufhaltsamen Prozess für die Dauer von ein oder zwei Tagen stillzulegen.
Solche Ansichten sind un-urban, sie stehen dem Grundsatz von Stadt als etwas Ständigem diametral entgegen. Wie bereits konstatiert ist Stadt frei von Grenzen, temporär wie lokal, gerade diese Grenzen werden von Institutionen künstlich und irrationalerweise aufrecht erhalten und behindern den Urbanen Mann und seine Stadt an ihrer Entwicklung.
Die Zukunft ist urban.
dU